Biografie
© 2024 Max von Gleichen
Bernd Weingart, 1965 in der DDR geboren, wuchs in Ohrdruf auf, in einem Haus, das Buchbinderei, Rahmenwerkstatt und Galerie vereinte. Diese frühe Umgebung prägte sein sensibles Verhältnis zu Material, Licht und Form - und legte den Grundstein für seine künstlerische Praxis, in der jedes Bild zugleich Objekt, Träger und Schwelle ist.
Prägend wirkte auch die Landschaft seiner Kindheit: das weiche, diesige Licht, die stille Atmosphäre und die räumliche Verdichtung der Natur. Schon früh verband Weingart äußere Erscheinung mit innerem Erleben. Für ihn ist Wahrnehmung nicht bloß Sehen, sondern Resonanz - ein Dialog, in dem die Welt den Blick erwidert.
Sein Weg ist geprägt von langjähriger, selbstbestimmter Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte, Philosophie, Mystik und Naturerfahrung. Die Bildung erfolgte in der direkten Begegnung mit Bildern, Texten und Landschaften, in einem kontinuierlichen Prozess des Schauens, Lesens und kontemplativen Forschens. Impulse reichen von der europäischen Bild- und Denkgeschichte bis zu fernöstlichen und mystischen Traditionen, in denen Selbstvergessenheit, Spiel und Aufmerksamkeit Formen von Erkenntnis sind.
Seit den 1990er-Jahren lebt und arbeitet Weingart in Berlin. 1992 wurde er mit dem Förderpreis für Fotografie des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Sein seriell angelegtes Werk entwickelt sich aus innerer Notwendigkeit - aus jenen Momenten, in denen Licht, Zeit und Wahrnehmung sich zu einer neuen Ordnung der Erscheinung verdichten. Serien wie Lemusichs Garten, Nachtstücke oder Flüstergewölbe erkunden diese flüchtigen Signaturen des Augenblicks und machen die innere wie äußere Welt sichtbar, die in ständiger Resonanz zueinander stehen.